„Du bist schwanger und nicht krank!“

CN Schwangerschaft, Geburt, Komplikationen bei der Geburt, transfeindliche Äußerung

38 Wochen Schwanger. 38 unglaublich schöne, intensive, aufregende und anstrengende Wochen. So viele Wochen, in denen mir gefühlt nur noch Babysachen, Kinderwägen, kugelrunde Bäuche, Pflegesets für Schwangere, Meilensteinkarten und Säuglingsnahrung auf den verschiedenen Social Media Kanälen empfohlen und angezeigt wurden. Gefühlt ist gerade jede’r um mich herum schwanger und das ist toll. Ich freue mich für jedes einzelne Elter, dass den Moment der Geburt herbeisehnt und sich auf das neue Menschlein freut. Ich selbst war im dritten Monat, als ich es auf Arbeit und dann auf Twitter bekannt gab. Seitdem stiegen die Werbeanzeigen und Empfehlungen anderer Accounts natürlich extrem an. Und auch das ist schön, ich verfolge gerne die Aufregung der anderen und schaue ihnen dabei zu, wie sie sich auf die kommende Zeit vorbereiten, Veränderungen am Körper feststellen und fröhlich Babysachen shoppen. Aber diese Bilder der glücklichen, Babybauch haltenden Leute, macht mich doch auch oft ein wenig traurig. Denn irgendwie wird auf all diesen Fotos von all diesen Accounts, immer wieder die gleichen Dinge dargestellt:

-Schwangere sind immer Frauen (Nein!)

-eine Schwangerschaft ist immer wunderschön (Nein!!)

-Mit ein bisschen Ruhe und Tee trinken vergehen auch alle Wehwehchen ganz schnell. Und wenn nicht hält eins dies doch gerne aus, schließlich erschafft eins gerade ein Wunder. Whoop whoop! (NEIN!!!)

-Schwangerschaft ist der Inbegriff der Weiblichkeit und wenn du nur auf dich und deinen Körper vertraust, wird alles supi (Ich raste hier gleich aus)

Und plötzlich habe ich keine Lust mehr auf Social Media und mach das Handy aus. Und dann denk ich an das letzte Jahr, an die Schmerzen, die Kreislaufzusammenbrüche und die vielen vergossenen Tränen und werde erst traurig und dann wütend. Warum ist so selten mal die Rede von den Schattenseiten? Geht es wirklich allen schwangeren Personen immer so supi dupi, dass der Rest nicht erwähnenswert ist? Bin ich selbst so überempfindlich und müsste meine Probleme viel besser wegstecken können? Warum wird nie irgendwo von schwangeren nicht binären Menschen und trans Männern geredet? Wieso sehe ich auf Instagram keine Kooperationen für Slipeinlagen oder Bauch stützende Unterwäsche? Oder gar mal Werbung für Mittel gegen Sodbrennen? Stattdessen ganz viel Pastell, ganz viele super süße Babykleidung, sexy Still-BHs, Tragetücher, Cremes für den Babybauch, natürlich top gepflegte und gestylte Schwangere und drölfzig mal das Wort weiblich. Und im TV ist es nicht anders. Enge Umstandshosen, hohe Schuhe, schicke Kleidchen, mega Makeup… nie sieht eins einer schwangeren Person an, dass sie müde ist oder der momentane Umstand anstrengend ist. Und versteht mich nicht falsch, nichts spricht dagegen sich auch oder gerade in dieser Zeit zu schminken und herzurichten. Ich mache das selbst oft genug, weil ich mich dann mehr leiden kann und mich und meinen Körper besser ertragen kann. Aber dafür, dass ständig die Rede von mehr Realität auf Instagram ist, wird das zumindest in diesem Fall selten so gelebt.

Da finde ich es auf Twitter schon realistischer. Ich treffe dort doch öfter auf Schwangere, die von Rückenschmerzen und schwangerschaftsbedingte Urininkontinenz berichten. Davon, dass ihnen das essen unglaublich schwer fällt und sie teilweise gar nichts runterbringen. Es wird davon berichtet, dass das Laufen immer schwerer fällt, eins sich wie ein Wal auf zwei Beinen fühlt und eben diese durch Wassereinlagerungen richtig weh tun. Es scheint dort würde die Schwangerschaft an sich nicht ganz so glorifiziert und das obwohl ich einigen aus der Eltern-Blog-Bubble und der Eltern-Buchautor’innen-Bubble folge. Es scheint dort okayer zu sein, auch mal zu jammern und sich auch mit den negativen Seiten der Schwangerschaft zu beschäftigen. Ehrlich zu sagen, dass eins müde und erschöpft ist und gerade einfach nicht mehr kann. Aber sobald ich meine Bubble nur ein bisschen verlasse, treffe ich gleich wieder auf Sätze wie diesen: „Man ist schwanger und nicht krank!“ Und wahrscheinlich liegt hier auch der Grund begraben, wieso nach Außen hin die Schwangerschaft immer als so wunderbar dargestellt wird.

Und wenn ich es mir genau betrachte, ist das auch nicht so verwunderlich. Menschen mit Uterus haben ja schließlich schon immer geboren, gestillt und vorher viele Monate mindestens ein Kind in sich umher getragen. Teilweise unter katastrophalen hygienischen und unfassbar anstrengenden Bedingungen. Während schwerer Arbeit auf dem Feld zB, im Krieg und während großer Hungersnöte. Und trotz dieser Umstände kamen immer wieder gesunde Kinder zur Welt. Ganz oft kommt dann auch der Satz „Also, meine Mutter hat ja x Kinder bekommen, während sie Vollzeit gearbeitet hat und den ganzen Haushalt gschmissen hat und die hat auch nicht so rumgejammert“ Und ja, meine Mama hat damals auch drei Kinder bekommen, gearbeitet, studiert und nicht gejammert. Hat ihr das gut getan? Nein. Sie hat es natürlich gewuppt, wie sehr viele Frauen und von anderen als weiblich gelesene Personen die Carearbeit zum größten Teil noch immer alleine tragen. Das heißt aber noch lange nicht, dass das so super und gesund ist. Genau so wenig ist es gesund, nun immer so zu tun als wäre eine Schwangerschaft oder eine Geburt ganz easy zu verarbeiten und durchzustehen. Für manche ist es sicherlich wie ein Spaziergang, ohne größere Wehwehchen und das sei ihnen vollkommen gegönnt. Für einige ist es aber auch eine einzige Tortur und es scheint, als dürfe eins das als schwangere Person nicht sagen.

Ich selbst hatte ab dem vierten Monat große körperliche Einschränkungen und mir ging es ziemlich schlecht. So schlecht, dass mich meine Gynäkologin recht früh aus dem Berufsverkehr zog und zur Ruhe verdonnerte. Und da ich einen Partner habe, der das ernst nimmt bekam und bekomme ich diese Ruhe auch. Ich darf hier ganz ungeschönt jammern, ohne dafür rollende Augen oder genervtes Stöhnen zu hören zu bekommen. Wenn ich einschlafe, lässt er mich liegen. Beim Essen wird viel Rücksicht genommen oder schnell Milch warm gemacht, weil mein Sodbrennen mich wieder von innen zu verbrennen droht. Kurzum werde ich einfach großartig unterstützt, denn eine Schwangerschaft ist eben kein Klacks. Und dafür bin ich sehr dankbar.

In meiner ersten Schwangerschaft war das übrigens komplett anders. Ich hab mich damals auch irgendwann nicht mehr getraut zu sagen, wenn es mir nicht gut ging. Ein Grund dafür war definitiv auch meine damalige Gynäkologin. Mir wurde quasi bei jeder Untersuchung mitgeteilt, ich solle mich nicht so anstellen. „Die jungen Dinger heutzutage sind alle so zimperlich wie sie und jammern die ganze Zeit nur rum. Eine Schwangerschaft ist nun mal kein Besuch auf dem Ponyhof, das kann auch mal zwicken und unangenehm sein.“ Und wenn du mit Schmerzen vor deiner Ärztin liegst und sowas an den Kopf geschmissen bekommst, traust du dich danach nicht mehr mit ihr über deine Sorgen und Wehwehchen zu reden. Solche Äußerungen braucht kein Mensch. Die individuelle Schmerz- und Belastungsgrenze ist bei jedem Menschen unterschiedlich zudem verläuft auch jede Schwangerschaft anders. Manche haben gar keine Morgenübelkeit, andere spucken nur kurze Zeit, wieder andere leiden die ganze Schwangerschaft über an einer Hyperemesis.

Blutdruck, Zuckerwerte, Gewichtszunahme, Kreislaufprobleme, Wassereinlagerungen, Schmerzen, Gefühlsschwankungen, Dauermüdigkeit, Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit, Depressionen und Haarausfall, alles Dinge mit denen schwangere Personen zu kämpfen haben können. Und trotzdem wird immer noch das Bild von den super glücklichen schwangeren projiziert, der nur mal ein bisschen die Füße weh tun.

Mein Baby ist nun 2 Monate alt und wurde in der 38. Woche per Kaiserschnitt geholt. Meine Schwangerschaft endete mit einer Schwangerschaftsvergiftung, viel zu hohem Blutdruck und einem Krampfanf. Danach machte mein Körper schlapp und wir entschieden uns dazu, dass Kind zu holen. Für uns war das damals genau das richtige. Und auch wenn er immer noch sehr verpönt ist, auch ein Kaiserschnitt ist eine richtige Geburt, eine schwangere Person hat nicht versagt wenn ein Baby so zur Welt kommt. Es ist völlig ok so zu gebären und deshalb bist du kein schlechtes Elter, hast nicht versagt und liebst dein Kind doch genauso. Mein Kaiserschnitt machte sogar die erste, furchtbare vaginale Geburt wieder gut. Aber so ergeht es nun mal auch nicht allen nach einem Kaiserschnitt. Für manche kann das furchtbar sein und sich wie versagen anfühlen. Und so zu empfinden ist auch ok, aber kein Mensch der Welt hat das Recht dir das oder deine Gefühle zum Vorwurf zu machen. Keine zwei Menschen sind vollkommen gleich und so sind auch keine zwei Schwangerschaften gleich.

Ich wünsche mir einfach mehr Sichtbarkeit, mehr Akzeptanz, mehr Transparenz und mehr Verständnis. Denn nein, wir sind nicht zwangsläufig krank, aber unser Körper leistet riesiges und wir dürfen verdammt noch mal klagen und weinen und toben und ko sein und Angst haben. Das ist alles vollkommen ok! Und wir dürfen das auch öffentlich sagen, wir sind deshalb nicht schwach, empfindlich oder zimperlich.

In diesem Sinne viel Kraft für alle schwangeren Personen da draußen, besonders in dieser Zeit.

Alles Liebe,

Marika.

Freitagnacht, irgendwo in Berlin

Freitagnacht, irgendwo in Berlin.

Es ist kalt, das Korsett drückt mir schwer auf die Brust. Meine Haare kitzeln auf meinen nackten Schultern und ich zittere. Ich bin nervös und mein Herz rast. Pinkie Dash ist am anderen Ende der Stadt bei den Nooborns und hat dort viel Spaß. Ich hab gerade mit ihr telefoniert, ihr noch mal gesagt wie lieb ich sie habe. Sie fehlt mir und schon nagt das schlechte Gewissen an mir. Ich habe sie „abgeschoben“ um auszugehen, um zu tanzen und endlich wieder Musik live zu erleben. Ich atme noch einmal tief durch und versuche den Kloß in meiner Kehle runter zu schlucken. Ihr geht es gut, sie wird gerade liebevoll betreut, sie hat Spaß. Und schon morgen Mittag werde ich sie wieder ordentlich durch kuscheln. Ich war viele Jahre nicht mehr wirklich aus, zumindest nicht so. Ein mal war ich letztes Jahr mit einer Freundin essen, einmal kurz vor dem Umzug mit Freund’innen einen Cocktail trinken. Das Jahr davor war ich auch einmal mit N&G kurz aus. Auf einem Konzert war ich zuletzt, kurz bevor ich mit Pinkie Dash schwanger wurde. Es hat mir gefehlt und jetzt ist es endlich wieder soweit.

Ab und zu schaue ich aufs Handy, checke ob bei Pinkie Dash alles klar ist. Sie schläft gut ein, wird einmal wach und findet bald wieder in den Schlaf. Es ist alles gut. Ich bekomme viele Benachrichtigungen auf von Twitter. Ich habe mich getraut ein Foto von meinem Outfit online zu stellen und habe viele Komplimente dafür bekommen und das passt auch zu meinem eigenen Empfinden. Ich habe mich schon lange nicht mehr so schön gefühlt wie an diesem Abend. Ich fühle mich absolut wohl.

Wir gehen rein. Es ist dunkel, wir trinken etwas. Ich bin immer noch sehr nervös aber langsam beruhigt sich mein Herz. Nicht mehr lange und die erste Band wird spielen. Sie soll gut sein. Die Musiker’innen betreten die Bühne, wir wollen ganz nach vorne. So wie früher, so wie es sein muss. Die Musik erklingt und ein wohliger Schauer durchfährt mich. Ich bekomme Gänsehaut und mein Herz schlägt wie wild. Die Band ist gut und es macht Spaß ihnen zuzusehen. Der erste Teil des Abends ist schnell vorbei. Die Musiker’innen wechseln, wir gehen raus. Die Raucher’innen brauchen frische Luft.

Die kalte Luft tut gut auf meiner überhitzten Haut. Wir lernen neue Leute kennen, plötzlich ist da Met. Es wird geraucht und getrunken und gelacht und geredet und bald schon ist die Pause vorbei und wir gehen zur nächsten Band. Wir tanzen, wir headbangen, wir singen und genießen die Musik und mir wird immer bewusster, wie sehr ich das vermisst habe. Plötzlich ist da der Keyboarder der ersten Band. Wir machen ein Foto. Ich glaube ich habe mit den meisten der Musiker’innen an diesem Abend ein gemeinsames Bild gemacht.

Auch die zweite Band ist toll und sehr unterhaltsam. Und die Gewänder! Der Rest der ersten Band steht neben uns, wir plaudern, machen ein Gruppenfoto. Die Zeit rennt, die Bilder verschwimmen vor meinem Auge. Wir tanzen und lachen und küssen und das ist einfach wunderbar. Morgen wird mir der Nacken weh tun und ich werde völlig fertig sein, aber es ist mir egal. Bald ist der zweite Auftritt zu Ende und wir gehen wieder kurz raus. Die nächste Band ist endlich die, wegen der wir überhaupt hier sind. Die Aufregung steigt. Ich schaue noch mal aufs Handy. Pinkie Dash schläft, ich bekomme immer noch viele Benachrichtigungen für Twitter. Noch eine Umarmung, ein Kuss und wir gehen wieder rein. Als wir bei der Bühne ankommen spielt die Band schon. Es wird getanzt und mitgesungen und die Stimmung ist unfassbar gut. Es ist laut und heiß und ich muss einfach mitsingen.

Bald ist alles vorbei, bald fahren wir heim. Aber jetzt in diesem Moment ist es einfach nur großartig. Ich fühle mich frei und fröhlich und geliebt. Nach dem Auftritt mache ich noch mehr Fotos, rede mit so vielen Leuten, auch den Musiker’innen. Mir ist schwindelig. Die Bilder verschwimmen vor meinen Augen. Ich habe so viel getanzt und gesungen gelacht und getrunken. Ich bin erschöpft und fix und fertig. Ich bekomme ein Shirt der Band und werde mit Essen versorgt, da kümmert sich wer um mich.

Und irgendwann ist alles vorbei und ich liege zu Hause in meinem Bett. Ohne meine Pinkie Dash, dafür mit einer großartigen anderen Person. Ich habe den Abend so genossen. Jeden Schmerz in meinen Nacken, jede Schwindelgefühl und jedes unberechtigte schlechte Gewissen war es wert. Und nun, zwei Tage später, liege ich mit meinem Kind auf dem Sofa, erzähl ihr noch mal alles von Freitag, von der Musik und sie versucht mir mein neues Top abzuluchsen. Ich sehe auf den Fotos hübsch aus, sagt sie. Und nd sie will auch mal mit mir auf ein Konzert gehen und mit mir die ganze Nacht durchtanzen. Und wenn sie das immer noch will, wenn sie dafür alt genug ist, werde ich das liebend gerne mit ihr machen. Irgendwann Freitagnachts, irgendwo in Berlin.

What’s wrong with the #dudesoftheinternet?

Ein halbes Jahr ist es jetzt her, dass meine letzte Beziehung zu Ende ging. War ‘ne schöne Zeit, Ende tat weh, ist rum. Geschichte, sozusagen. Und irgendwann, nach dem Heulen und sich scheiße fühlen, schaut eins nach vorne. Und wer dann alleinerziehend ist und quasi nie ohne Kind unterwegs und nie ausgeht, begibt sich vielleicht in Chaträume oder probiert Dating Apps aus. Da geht es gar nicht unbedingt darum sich gleich wieder zu verlieben, manchmal reicht es auch einfach mal nur nett zu plaudern, vielleicht ein wenig zu flirten. Und ja, ich hab das auch gemacht.

Ich habe gechattet, geplaudert, gewitzelt – aber nicht geflirtet. Ok, einmal doch und zwar mit einer Person die ich auf Twitter kennen lernte. So schnell wie der Flirt kam, war er auch wieder weg. Ich wurde sehr oft angeschrieben, hab unzählige „Komplimente“ sowie viele Fotos zugeschickt und einige dubiose Angebote bekommen. Sie waren immer ähnlich und hatten fast alle eins gemeinsam: Sie waren übergriffig und aufdringlich.

Aufgezwungene Kosenamen, extrem persönliche Fragen, Aufforderungen zu Dates direkt in der ersten Mail, mir wurden sofort Sachen zugeschrieben die „bei Frauen nun mal so sind“, bei jeder noch so kleinen Kritik oder Ablehnung meinerseits war ich sofort hysterisch, zickig, hässlich und natürlich chronisch untervögelt. Die Leute, die eine Abfuhr ohne Beleidigungen oder weiteres Drängen hinnahmen, kann ich wohl an zehn Fingern abzählen.

Es wurde auch über jede meiner Aussagen, Prinzipien und Wertvorstellungen diskutiert. Zum Beispiel wurde ich ständig gefragt, was für ein Geschlecht mein Kind hat. Ich fragte wieso das wichtig sein und bekam daraufhin immer zu hören, dass das ja wohl ein Unterschied sei, Jungs ja ganz anders wären als Mädchen und sich „Mädchenmamas“ ja auch ganz anders verhalten als „Jungsmamas“. Diese Diskussionen sind bei mir schon ein klarer Garant dafür, dass da definitiv kein Interesse meinerseits besteht. Ich mag mit einer*einem potentiellen Partner*in nicht über die ganze #RosaHellblauFalle diskutieren. Dafür hab ich keinen Nerv mehr, ich mach das tagtäglich mit genug Leuten. Da möchte ich wenigstens mit dem Menschen an meiner Seite auf einer Wellenlänge sein. Ähnlich verhält es sich bei Themen wie Feminismus, diversen -ismen, Transfeindlichkeit, etc pp. Ich hab da keinen Nerv für.

Ganz, ganz toll war auch das ständige Mansplaning. Immer wieder, mitten im Gespräch, wurde ich über irgendwelche Themen belehrt weil mein Gegenüber sich sicher war, es besser zu wissen. So bekam ich Kommentare zu meinem erlernten Beruf oder zur Kindererziehung (ohne je selbst ein Kind gehabt zu haben, einfach nur weil er Onkel ist, versteht sich). Oder dazu wie meine Antworten oder Aussagen gemeint sind, sehr großes Kino! Echt geil, dass vollkommen Fremde mich lesen wie ein offenes Buch. Ich schreibe a, es wird b interpretiert. Ständig.

Es sind immer wieder die gleichen Verhaltensmuster die diese Herren an den Tag legen. Ja, Herren. Selten war mal eine Frau dabei, denn mit einer Pansexuellen wollten irgendwie nur Hetero-Paare schreiben, oder eben männliche Singles. Irgendwann nervte mich dieses Verhalten und ich begann unter #dudesoftheinternet auf Twitter meine Erfahrungen zu sammeln. Hier ein paar Beispiele:

„Schade dass du nur ein Foto online hast“ „Naja, du hast gar keins und dein Profil ist auch leer“ „Ja, ich bin auch ein Mann. Ich muss nicht schön sein nur genug Geld haben“ Aha, na dann…. #dudesoftheinternet

Dude stellt aufdringliche Fragen, ich weise ihn darauf hin dass wir uns fremd sind und er sich solche Fragen einfach mal sparen kann. „Bist halt immer noch sehr jung und unreif“ Hm, klar. Natürlich. Daran liegt es dass das Gespräch scheiterte. #dudesoftheinternet

„Du siehst so schön aus, da musste ich dich einfach anschreiben!“ „Hast du dir überhaupt mein Profil angesehen?“ „Ne, bei so nem hübschen Bild ist das doch nicht nötig *zwinkerzwinker*“ “ Dann ist das Gespräch beendet“ „Oberflächliche Fotze!“ Was, ICH??? #dudesoftheinternet

„Was stört dich denn an jüngeren? Die drei Jahre fallen doch nicht auf! Vielleicht bin ich ja dein Traummann?“ „Nein, bist du definitiv nicht. Ich bin nicht interessiert“ „Kannst du doch gar nicht wissen, kennst mich ja noch nicht“ Beweisführung abgeschlossen #dudesoftheinternet

Der härteste Dude war aber definitiv folgender: Er schrieb mich an und wollte wissen, wann ich in diesem Jahr in den Urlaub fahre. Ich meinte dass ich gar nicht wegfahre und er erwiderte dass sich das schnell ändern ließe. Er sei auch alleinerziehend und wir könnten ja einfach zusammenn mit den Kindern in den Urlaub fahren und wenn die Kinder schlafen oder in der Ferienbetreuung sind, könnten wir zusammen ein wenig Spaß haben. Das war auf so vielen Ebenen daneben und extrem creepy! #dudesoftheinternet

 

Eine liebe Freundin schloss sich mir an, erzählte auch von ihren Erfahrungen. Sie machte sogar Werbung dafür, bot anderen Personen an sich uns anzuschließen. So kamen einige Tweets zum Thema zusammen. Und eins brauchte wirklich nicht lange  lesen, bevor einem auffällt, dass es wirklich immer die gleichen Sprüche, Unterstellungen, Forderungen sind. Es wird komplett außer Acht gelassen, dass da am anderen Ende eine echte Person am Computer oder Handy oder wat weiß ick sitzt. Es fehlt Respekt, Höflichkeit, das Einhalten von Grenzen, das Akzeptieren von Ablehnung und Desinteresse.

Es werden der Körper, das Gesicht und das Haar einer völlig fremden Person bewertet. Und ich meine damit nicht das Betrachten eines Fotos und sich seinen Teil denken. Nein, eins wird angeschrieben und hört sofort ob eins denn den Vorstellungen einer anderen Person genügt. Ganz ehrlich Dude, wir haben uns nicht mal unterhalten, ich habe dich nicht nach deiner Meinung gefragt. Wieso? Weil sie mich schlichtweg nicht interessiert. Es geht mir mittlerweile (den Gött*innen sei gedankt) wirklich am Arsch vorbei ob du, ein random Dude aus dem Internet, mich für fickbar hältst oder nicht. Spar es dir, ich erzähl dir doch auch nicht ob ich dein obenohne Foto sexy oder daneben finde.

Mir würde es niemals in den Sinn kommen mich anderen gegenüber so zu verhalten. Mir wurde beigebracht, dass Nein Nein heißt. Nicht ja, nicht vielleicht, nicht „quatsch mich ruhig weiter damit zu, dann stimmst du mich bestimmt um“. Ich würde nie eine Person als zickig bezeichnen, weil sie mir eine Frage nicht beantworten will. Ich fange aber auch nicht an mit so ‘nem Quatsch wie „Dieses Geschlecht y steht ja nur auf arschlöchrige Personen mit Geschlecht x, da haben die netten Leute meines Geschlechts x gar keine Chance. Wir gehen immer leer aus“. Aber… ich bin ja auch ne cis  Frau. Mir wird nicht von Kleinauf eingebläut dass Frauen als weiblich missgelesene nicht binäre Personen Freiwild sind und erobert werden wollen. Dass ein Nein ein diskutierbares Ding sei, dass nicht ernst genommen werden muss. Männern wird auch nicht erzählt sie wären zickig wenn sie anderer Meinung widersprechen. Sie sind dann einfach willensstark, entschlossen, selbstsicher und so weiter und so fort. Merkt ihr, worauf ich hinaus will? Es würde mich wundern wenn nicht.

Es geht um anerzogene Verhaltensmuster, um toxische Maskulinität. Darum, dass ein gewisses Bild von einem „wahren Mann“ (und einer echten Frau) vorgelebt und auch in Filmen, Büchern etc aufgezeigt wird. Männer müssen stark, fordernd, extrovertiert, selbstbewusst, dominant sein. Sie denken logisch, sind nicht hysterisch sondern handeln wohl überlegt, sind rational und die geborenen Anführer. Einer Frau muss Mann ja nur ein bisschen schmeicheln, ein paar schöne Schuhe kaufen, ein Kind machen und dann ist alles easypeasy. Und sollte sie doch mal ‘nen hysterischen Anfall während ihrer Periode haben, kauft Mann ihr einfach Schokolade und Blumen. Sie zickt dann noch ein bisschen rum, lässt ihn betteln und zack, wird im Bett die Versöhnung gefeiert.

Genau das sieht Mann jeden Tag, überall. Werbung, Film, Buch, es wird allen so beigebracht. Es scheint so, als wären wir Frauen alle gleich und ganz schnell zu durchschauen. Aber und das wird jetzt wohl einige erschrecken: dem ist nicht so. Es gibt ja auch nicht nur Mann und Frau, wieso sollte eins die verschiedenen Geschlechter dann so easy anhand von ein paar Anhaltspunkten in eine feste Schublade stecken können? Ergibt für mich keinen Sinn. So viele Leute und sie sollen im Grunde alle gleich sein? Weil sie die gleichen Chromosomen, Ausscheidungsorgane oder was auch immer haben? Dass Geschlecht nichts mit Chromosomen etc. zu tun hat, sollte ja nun mal langsam angekommen sein. Also woran genau sollte es nun liegen, dass alle Leute eines Geschlechts die gleichen Vorlieben und Verhaltensmuster haben? Macht doch irgendwie gar keinen Sinn, ne?

Also wäre es doch wirklich super, wenn wir mal aufhören unseren Kindern sowas vorzuleben, diesen Kackmist überall zu reproduzieren, immer wieder neu aufzugreifen und als „normal“ darzustellen. Denn wenn wir das tun, brauchen wir uns nicht wundern wenn sich Menschen darauf berufen und sagen „Ja, kann doch gar nichts für mein arschiges Verhalten, liegt halt an meinem Geschlecht!“ Nein, liegt es nicht. Du bist ein Arschloch, nicht dein Geschlecht. Und ja, es ist verdammt schwer sich aus so festen Strukturen zu befreien. Doch es würde uns wohl allen wirklich gut tun.

Also, wie wäre es wenn wir unseren Kindern nicht erzählen, dass Männer groß, stark, selbstbewusst sein müssen, nicht weinen dürfen und die Familie ernähren müssen, dafür kein Makeup tragen dürfen und im Rock scheiße aussehen? Und wir Frauen nicht beurteilen würden, weil sie einen kurzen Rock tragen, wir sie dafür aber für ihre Taten bewundern und nicht für ihr hübsches Gesicht? Nicht erwarten, dass „sie“ die ganze Carearbeit macht weil „er“ im Job unverzichtbar ist? Und wir von Anfang an Kindern erzählen dass es mehr als „er“ und „sie“ gibt, mehr als Papa-Mama-Kind(er)?

Ja, mal wieder viel Text und wahrscheinlich dachten hier einige, dass es nur ums Online Dating geht. Aber irgendwie gehört das doch alles zusammen, führt eins zum anderen und wird durchs Dritte begründet. Und es nervt mich, jeden Tag aufs Neue. Und manchmal muss dieser Frust einfach raus.

Ich bin übrigens nirgends mehr registriert, die #dudesoftheinternet begegnen mir aber dennoch regelmäßig auf Twitter, Instagram, Facebook. Nur, falls sich wieder jemand fragt, auf welchen Seiten ich mich denn so „rumtreibe“.

Eure GunzlingerMum

 

Eigentlich….

Freitagabend, der 17. August 2018. Eigentlich sollte ich jetzt in einem Auto Richtig Mittelfranken sitzen. Im Gepäck Zimttequila, mein Partyoutfit und das Geschenk für meine beste Freundin. Vorfreude im Bauch und ein Grinsen auf den Lippen. Denn ich weiß, mein Kind ist gut betreut und hat viel Spaß und ich werde ein tolles Wochenende haben. Tja, eigentlich…

In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag ging ich spät ins Bett. Ich legte mich zu meinem Kind, dass eigentlich immer bei mir schläft. Ich hörte ein gequältes Husten, fühlte ihre Stirn, ihren Nacken. Sie fühlte sich sehr warm an, also maß ich Fieber: über 38°C. Nicht weiter schlimm, sie ist noch klein und reagiert auch bei Aufregung und vielen Reizen oft mit erhöhter Temperatur. Ich schrieb trotzdem meiner besten Freundin, vorsichtshalber. Da weinte ich wohl das erste mal, ich hatte kein gutes Gefühl und der Husten hörte sich auch nicht gut an.

Am nächsten Morgen stand ein wichtiger Termin an. Das Kind fühlte sich schlapp, hatte Fieber, war verrotzt und hatte Husten. Wir brachten den Termin hinter uns der wirklich nicht so lief wie erhofft, danach ging es zur Kinderärztin. L hat einen Grippalen Infekt und klammerte, wie immer wenn sie krank ist. Also schrieb ich meiner Mitfahrgelegenheit, Familie Nooborn, die meine Kleine übers Wochenende betreuen wollte und meiner besten Freundin. Wir gingen nach Hause, schliefen ein wenig und das Kind hing des restlichen Tag an mir.

Also werde ich meine Freund*innen dieses Wochenende nicht in den Arm nehmen, nicht den 30. meiner ältesten und liebsten Freundin feiern, kein fränkisches Bier trinken, nicht mit Erwachsenen quatschen, mal nicht die ganze Zeit auf mein Kind achten… Diese Auszeit hätte so gut getan, ich hätte sie dringend gebraucht. Sie wäre wichtig gewesen um die Energiereserven aufzutanken. Ich wäre sicher sehr müde am Sonntag gewesen, aber mein Kopf und mein Herz wäre wieder etwas freier gewesen. Letzte Woche hätte das Krümelmonster eigentlich komplett bei ihrem Vater verbringen sollen. Es waren am Ende nur 53 Stunden. Auch da blieb die Erholung aus. Kaum das der erste Abschiedsschmerz rum war, war sie schon wieder da. Ich schlief nicht aus, dafür hatte ich einen ätzenden Termin der zum Glück schnell rum ging. Also fielen beide Male, in denen ich mich mal auf mich besinnen konnte, ein wenig den Kopf abschalten hätte können, in denen ich hätte die Seele baumeln lassen können, aus.

Und sowas passiert so oft…. Eins plant, baut sich ein Gerüst auf, es steht alles fest, alles ist vorbereitet und dann kommt es komplett anders. Manchmal reicht eben wirklich eine Kleinigkeit um das ganze Konstrukt einzureißen. Das sind Dinge die eins nicht beeinflussen kann, die vollkommen außerhalb meiner Macht stehen. Ich kann nichts dagegen tun, ich kann es nur hinnehmen und hoffen, dass ich es zum WiB in drei Wochen schaffe.

Jetzt futter ich Pizza, trinke einen Wein und halte mein schlafendes Kind im Arm. Und dass meine Freundin dafür Verständnis hat, mir nicht noch Vorwürfe macht und sich stattdessen auf bald freut, ist in solchen Zeiten viel Wert.

 

Hey kalte Hand, my old friend. Wie geht`s denn so?

Dunkel war`s und kalt. Wie in einer Höhle die tief in den Berg hinein führt und ich spürte den Zog, der mich immer weiter hinein lockt. Über Wochen hin wurde der Zog immer stärker, immer stärker. Ich hab versucht dagegen anzukämpfen, wie immer stark zu sein. Doch als ich eigentlich nur fröhlich sein und den Tag genießen sollte, brach die Höhle über mir zusammen und ich saß am Geburtstag meines Kindes auf dem Sofa von Freund*innen und fühlte mich elendig. So ist das manchmal. Wenn ich es absolut nicht „gebrauchen“ kann und eigentlich nur den Moment genießen sollte, kann ich es nicht und die kalte Hand erwischt mich im Genick.

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Foto und Essbereich stammen von Zesyra

 

Die letzte Woche war nicht einfach, ein emotionales Auf war direkt gefolgt von einem viel größerem Ab. Letzte Woche Sonntag wurde das Krümelmonster 4 Jahre alt und das

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Foto und Kuchen stammen von Zesyra

ganze Wochenende war einfach nur toll. Liebe Menschen gaben sich große Mühe, um meinem Kind einen wundervollen Tag zu bereiten. Ich fühlte mich wohl, genoss es wie sehr mein Kind strahlte. Sie bekam von lieben Freund*innen, Twitterfollower*innen und Blogleser*innen ganz, ganz tolle Geschenke. Zesyra backte eine phänomenale Geburtstagstorte und es war einfach eine schöne Zeit. Und als ich mich da so wohl und geborgen fühlte, realisierte ich plötzlich was mich in den nächsten Tag erwarten sollte und mir ging es mit einem mal wirklich schlecht. Es kam einfach alles hoch was mich so belastete. Und dann waren da diese liebe Menschen, die mich in den Arm nahmen, mein Kind versorgten und mir nicht sagten ich solle mich zusammenreißen. Sie ließen mir meine Zeit, die ich brauchte um mich zu fangen. Ich konnte erzählen was mich quälte, ohne „gute Ratschläge“ zu bekommen. Das tat gut, unfassbar gut. Ich traf auf viel Verständnis und das war auch wahrscheinlich das, was ich wirklich mal in diesem Punkt brauchte.

Am Montag wurde das Krümelmonster dann von ihrem Vater abgeholt. Eigentlich sollte sie eine Woche dort bleiben, dann vier Tage und am Ende waren es nur etwas mehr als zwei Tage. Aber sie nach Monaten mal wieder mit ihm mitzuschicken, alleine zu sein und von 24/7 auf 0/0 zu wechseln, war einfach sehr seltsam. Die Wohnung wirkte riesig und leer ich wusste mit dieser Situation gar nicht umzugehen. Ich bin es schlichtweg nicht mehr gewohnt etwas alleine zu unternehmen, alleine zu sein. Und auch dann waren wieder diese lieben Menschen da, die mir sofort anboten sie zu besuchen um das nicht alleine durchzumachen. So verbrachte ich den Dienstag also in toller Gesellschaft, lachte viel und durfte mit einem ganz tollen dreieinhalbjährigem Kind spielen und einem Neugeborenem kuscheln. Zudem wurde ich bekocht und mit leckerem Kuchen eingedeckt und ich fuhr mit einem etwas befreiterem Herzen nach Hause.

Am Mittwoch stand dann der zweite, für mich sehr nervenaufreibende Termin an: Die Anhörung zu meiner Scheidung. Ich hatte tatsächlich ganz schöne Bauchschmerzen deswegen. Ich war viel zu früh da, saß in der Hitze vor dem Raum und wartete darauf dass es losging. Als ich dann aufgerufen wurde dauerte das Ganze etwa 5 Minuten, ich lachte mit der Richterin und der Anwältin über das schöne Scheidungsdatum und ging danach einkaufen. Die nächste Hürde geschafft, der nächste Stein der vom Herzen fiel. Am Abend kam dann mein wundervolles Kind nach Hause, ich kochte ihr Lieblingsessen, wir schauten Baymax und lagen uns kuschelnd im Arm. Es war schön, so so schön.

Der Donnerstag war dann ruhig. Wir räumten zu Hause ein wenig um, erledigten den Haushalt und freuten uns auf unseren bevorstehenden Besuch bei Familie Nooborn, der am Freitag anstand. Durch ein Unwetter Waren wir dort jedoch nicht alleine und wir trafen auf Frau Papa und ihre K3 und K4, die übrigens allesamt sehr bezaubernd waren. Ich hab mich sehr gefreut Nina auch real mal kennen zu lernen. Wir hatten eine nette Unterhaltung und ein leckeres Frühstück, bevor die drei endlich nach Hause fahren durften.

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Foto von und mit Zesyra, Nina und Gunzi

Und auch wenn das Krümelmonster meine innere Unruhe spürte und dementsprechend reagierte, war der restliche Tag trotzdem sehr schön. Der Abend klang dann nach einen Poolbesuch und mit einem Film aus. Und wir blieben, mal wieder, sehr spontan über Nacht dort und verbrachten auch den Samstag bei Familie Nooborn. Doch der erwartete Gefühlsausbruch, mit dem ich für Freitag fest gerechnet hatte, blieb aus. Am Freitag jährte sich der Todestag meiner Mama nämlich zum ersten mal, weshalb ich auch nicht mit dem Krümelmonster alleine sein wollte. Ich postete mein Lieblingsbild meiner Mama auf Twitter und bekam einige DMs von Follower*innen die auch erst kürzlich einen wichtigen Menschen verloren hatten. Manche erzählten mir, dass ihnen mein darüber twittern ein wenig half. Ich fand dieses Austausch sehr schön und möchte mich für die lieben Nachrichten bedanken.

Jedenfalls gab es kein großes Heulen, ich saß nicht wie eine Woche vorher auf dem Sofa und war fix und fertig. Stattdessen merkte ich wie gut es mir im Vergleich zu vor einem Jahr ging. Denn im Gegensatz zu damals sind wir jetzt nicht mehr einsam. Als das ganze Drama passierte saß ich nämlich Zeit alleine zu Hause, machte das alles größtenteils mit mir selbst aus. Ja, ich hatte Freunde, die waren aber weit weit weg. Es war vor Ort niemand der mich in den Arm nahm, mir half ihre Sachen auszusortieren oder mal das Krümelmonster abnehmen. Ich konnte zwar zur Aufmunterung telefonieren und später auch mit meinem damaligen Freund reden, aber ich musste das trotzdem alleine stemmen. Und wir haben das geschafft. Wir zogen 800 Km weg, bauten uns ein neues soziales Umfeld auf, haben eine ganze Menge geschafft.

Und nun, ein Jahr später, saßen wir hier zwischen lieben Menschen die uns gerne haben, die für uns da sind. Die nicht nur sagen „Wenn was ist, meld dich. Wir sind für dich da!“. Sie sind einfach wirklich da, halten mich fest, hören zu, fangen auf. Wir fühlen uns hier sehr wohl, einfach angekommen. Das Krümelmonster wird nicht ständig von anderen dafür ermahnt dass es halt eigenständig, eigenwillig, manchmal sehr laut und lebhaft ist. Ich höre nicht mehr ständig „Na, da musst du schon auf den Vater zugehen und dass für und mit ihm klären. Denk ans Kind!“. Kein „Naja, als Mutter würde ich ja nicht so einen kurzen Rock tragen“ oder „Du kannst doch das Mädchen nicht wie einen Jungen rumlaufen lassen!“. Das. Tut. So. Gut! Ich hab meine komplette Bubble umgestellt und ich glaube meiner Mama würde das wirklich gut gefallen. Sie hatte sich letztes Jahr gewünscht Richtung Berlin zu ziehen. Sie war davon überzeugt, dass uns das sehr gut tun würde. Und sie hatte damit so verdammt recht. Es gibt zwar einige Baustellen die wir noch in Angriff nehmen müssen, aber im Großen und Ganzen hat sich unsere Lebensqualität wesentlich gesteigert. Und da macht mich so ein mieser Albtraum wie letzte Nacht nicht mehr so fertig, wie noch vor einigen Wochen.

Ja gut, dass ich in letzter Zeit ganz oft Babies tragen darf hilft vielleicht auch ein kleines bisschen:

 

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Trollbaby, gesamter Hintergrund, Trage und Foto von Zesyra. Und natürlich #Werbung, weil Markenname erkennbar ist.

Eure Gunzlinger Mum

Irgendwas zwischen schwarz und weiß – mein Weg zur Pansexualität

Selbstfindung in Zeiten des Mobbings

Ich war sieben Jahre alt, als mir das erste mal unterstellt wurde, lesbisch zu sein. Meine Mama hatte mir sehr früh davon erzählt, dass es eben nicht nur heterosexuelle Beziehungen gibt. Ich wusste damals was mir die Kinder an den Kopf warfen. Es kam nur deshalb dazu, weil ich meiner*meinem Zimmernachbar*in im Ferienlager sagte, dass ich unsere*n Erzieher*in dort sehr gern hatte. Aus einem „Ich hab sie*ihn lieb“ wurde durch die Flüsterpost ganz schnell „ich liebe sie*ihn“ und ich war auf einmal das Gespött des Camps. Liebesbriefe wurden in meinem Namen verfasst, Spiegel beschmiert und jede*r lachte über mich. Ich bekam fürchterliches Heimweh und fühlte mich schrecklich unwohl. Vor allem, weil ich schon damals bemerkte, dass ich nicht nur an Jungen interessiert war.

Als ich dann mit 9 Jahren von Brandenburg nach Mittelfranken zog, begann ziemlich schnell das Mobbing. Es wurde sich an allem aufgezogen was ich so tat. Auch daran, dass ich einmal in Gedanken vor mich hinstarrte. Währenddessen bekam ich nicht mit wen oder was ich ansah, es traf leider eine*n Mitschüler*in, der*die zur mobbenden Clique gehörte. Das war das zweite mal, dass ich als Lesbe verschrien wurde.

Mit 13 wechselte ich dann auf die weiterführende Schule und dort saß ich mit fast allen in einer Klasse, die mir schon vorher das Leben schwer gemacht hatten. Der Ruf hielt sich also auch dort hartnäckig und wurde durch meine schwarzen Klamotten und meinen Hang zur Rockmusik in den Augen meiner Mitschüler*innen nur unterstützt. Sie fanden es amüsant vor mir wegzurennen und „Ihhhh“ und „Vorsicht, da kommt die Lesbe!“ zu rufen. Neben all den Gemeinheiten die mir angetan wurden, war diesen lustig machen über meine Gefühlswelt mit das Schlimmste. Ich lernte so sehr früh dass ich nicht „normal“ sei, eklig, „krank“… Dinge die niemand über sich denken sollte. Ich traute mich deshalb nicht mit jemandem darüber zu reden, versuchte zu verdrängen dass ich eben nicht heterosexuell bin und schaute bewusst keine für mich schönen Frauen und Mädchen mehr an.

Kurz nach dem ich 15 Jahren alt wurde, hatte ich meine erste Beziehung, in der ich mich aber nie richtig wohl fühlte. Im Nachhinein wurde mir klar, dass es nicht daran lag, dass er ein Junge war, sondern daran, dass ich nur mit ihm zusammen war um dem ganzen Klatsch zu entgehen. Ich wollte als „normal“ angesehen werden. Leider führte die Beziehung nur zu noch mehr  Hohn und mir ging es emotional immer schlechter.

Mit 16 Jahren bekamen wir dann, ich als allerletzte in meiner Klasse, WLAN und ich stürzte mich in die Untiefen des Internets um Leute zu finden mit denen ich mich austauschen konnte, ohne dabei ausgelacht zu werden. Ich wurde immer noch gemobbt und war froh, als ich in einem Chatportal auf Gleichgesinnte traf. Ich lernte damals eine junge Frau kennen, die mir zum ersten mal von Bisexualität erzählte. Ich merkte schnell, dass das ist was wohl (damals) am ehesten auf mich zutraf. Ich meldete mich in einem Chatroom für Homo- und Bisexuelle Personen an und lernte neue Leute kennen. Tatsächlich bin ich bis heute noch mit ein paar von den Menschen aus dieser Zeit real befreundet. Ich fühlte mich das erste Mal verstanden, nicht ausgegrenzt und einfach wohl in der Community. Diese Leute und das Gemeinschaftsgefühl stärkten mich, gaben mir neues Selbstbewusstsein. Kurz vor meinem Abschluss vertraute ich mich dann auch endlich meiner Mama an. Sie lachte, aber nicht im negativen Sinn: „Dass du nicht hetero bist war mir schon immer klar. Schön, dass du das jetzt auch selbst weißt. Macht du deiner Mama jetzt einen Kaffee?“ Ja, so war meine Mama. Für sie war das Thema damit gegessen. Nach diesem positiven Outing vertraute ich mich meiner einzigen realen Freundin an, auch sie lachte mich nicht aus sondern war für mich da. Das tat mir gut und gab mir neuen Mut. Kurz darauf verliebte ich mich das erste mal ganz bewusst in ein Mädchen und wir wurden auch ein Paar.

 

Heldinnen meiner Kindheit

So wie wohl fast alle Kinder, hatte auch ich Kunstfiguren die ich bewunderte, zu denen ich aufsah. Eine der ersten war wohl Sailor Uranus. Ja, ich war und bin Sailor Moon Fan. Haruka fand ich einfach toll, groß, kühl, nicht so wie die anderen, ruhiger und sehr hübsch. Während meine Freund*innen aus der Grundschule alle Tuxedo Mask anhimmelten, war ich eifersüchtig auf Michiru und ihre enge Bindung zu Haruka.

Diese Schwärmerei ging nahtlos in die für Xena, die Kriegerprinzessin und Sydney Fox, Die Schatzjägerin über. Ich wollte so sein wie sie, beneidete ihre Sidekicks um die Nähe zu ihnen, kreischte hysterisch wenn die beiden kämpften und träumte regelmäßig des nachts von einem Leben an Xenas Seite. Ja, alte Tagebücher erinnern einen gerne an so etwas. Meine Mama saß damals oft grinsend neben mir und ich dachte sie würde sich über mich amüsieren. Irgendwann verriet sie mir, dass sie bei meinen leidenschaftlichen Ausführungen über die beiden so richtig merkte, dass ich wohl nicht nur Jungs toll finde. Und im Nachhinein betrachtet lag sie damit auch richtig. Ich wollte selten so sein wie die Held*innen aus Buch und Serie, ich wollte ihnen meistens nah sein, träumte davon dass sie real wären. Ja, es gab auch Jungs und Männer die ich im Fernsehen sah und die mich ins Schwärmen brachten, aber bei niemandem war es so ausgeprägt wie bei Xena und ihrem ledernem Gewand.

 

Leben mit den Klischees

und davon gibt es mehr als genug…

Als ich 18 Jahre alt war, begann ich meine erste Ausbildung. Ich lernte durch einen Bekannten einen jungen Mann kennen und wir waren einige Monate lang ein paar. Ich erzählte ihm dass ich bisexuell sei und er zeigte großen Interesse daran. Ich war so naiv und freute mich darüber. Für ihn hieß es, dass ich Sex zu dritt mit einer anderen Frau nicht abgeneigt wäre. Gleichzeitig erzählte er mir aber immer wieder, dass ich gar nicht bisexuell sei weil ich ja gerade mit ihm zusammen sei. Immer und immer wieder behauptete er steif und fest, dass ich heterosexuell bin. Die Diskussionen ermüdeten uns beide uns so gingen wir schnell wieder getrennte Wege.

Auf diese zwei Aussagen treffe ich auch nach wie vor noch sehr oft. Mindestens genau so oft höre ich aber, dass ich ja nur mit Männern eine Beziehung führen will, mit Frauen möchte ich ja nur meinen „Spaß“ haben. Diesen Quatsch gibt es auch noch in der „Du stehst ja nur auf Frauen und willst nur ab und an mal einen Penis spüren“-Variante. Weder das eine noch das andere trifft auf mich zu. Ja, es gibt sicherlich auch Menschen die ihre Bisexualität so für sich definieren und möchte ihnen das auch nicht absprechen. Mir wird auch gerne erklärt, dass ich gar nicht treu sein kann weil ich ja „alles nehme, Bisexuelle seien halt so“. Kleiner Tipp am Rande: Bi/Pansexuell zu sein heißt nicht, dass eins seiner Partner*in nicht treu sein kann, wobei auch das „treu sein“ unterschiedlich verstanden sein kann. Es heißt auch nicht, dass eins polyamor ist und Beziehungen mit mehreren Partner*innen sucht oder wünscht. Diese Dinge haben nicht zwangsweise mit dem anderen zu tun, auch wenn es natürlich Überschneidungen geben kann. Dies gilt aber auch für homo- und heterosexuelle Beziehungen. Ganz toll ist es auch gefragt zu werden, ob eins denn lieber Mann oder Frau mag. Quasi wie in einer Eisdiele: „Heute bitte zwei pralle Kugel Frau und extra Sahne“. Ja ne, is klar…

Manchmal bin ich gut drauf und erkläre dann, wie sich die Sache wirklich verhält. Bei unfreundlichen und aufdringlichen Leuten jedoch antworte ich bei sowas gar nicht mehr oder drücke auch gerne mal einen Spruch hinterher. Denn ganz ehrlich: Im Grunde ist es nicht meine Aufgabe der Welt die Unterschiede zwischen den verschiedenen Sexualitäten, Neigungen etc zu erklären. Aber wenn ihr nicht genau wisst, was es mit einem Begriff auf sich hat, benutzt ihn nicht sondern informiert euch über die richtige Bedeutung. Und verlangt vor allem nicht von anderen (am besten noch Fremden) dass sie euch aufklären und jedes mal ganz geduldig erklären, wieso solche Sprüche und Klischees verletzend sein können und nerven.

 

Pansexualität und was dies für mich bedeutet

Als ich mich vor gut zwei Jahren auf Twitter anmeldete, hätte ich im Leben nicht damit gerechnet was für tolle Menschen ich dort treffen werde, was ich alles über das Leben und vor allem mich dazu lernen und meine Ansichten in vielen Belangen überdenken werde. Alleine was die geschlechtersensible Sprache, Feminismus, trans Personen, Rosa-Hellblau-Falle betrifft, habe ich eine Menge neuentdeckt, gelernt, erkannt, überdacht und aktiv in meinem Leben integriert.

Was ich zum Beispiel erfuhr war, dass es viel mehr als nur Hetero- Homo- und Bisexualität gibt. Auch was Geschlechter betrifft wurde mir so viel beigebracht, dass ich heute noch ganz erstaunt darüber bin wie das all die Jahre an mir vorbeigehen konnte. Durch dieses dazulernen wurde mir eben auch bewusst, das für mich der Begriff Bisexualität für mich nicht passt. Es gibt sehr viele Leute für die dies heißt, dass sie sich zu zwei Geschlechtern, sehr oft eben Mann und Frau, hingezogen fühlen und sie meinen damit nur cis Menschen. Sexuell, Emotional, wie es eben jede*r für sich selbst bestimmt. Doch bei mir ist das nicht so. Ja, ich finde Menschen die cis Frauen sind anziehend, Menschen die cis Männer sind anziehend, ich habe mich aber auch schon genau so zu trans Frauen hingezogen gefühlt, zu trans Männern hingezogen gefühlt, zu nicht binären Menschen hingezogen gefühlt.

Und genau das ist für mich der Knackpunkt: Ich beschränke mein Sexuelles und emotionales Interesse nicht auf zwei Geschlechter. Wie wohl einige sagen würde, verliebe ich mich in die Person und nicht in ihr Geschlecht. Ich mache da einfach keinen Unterschied. Ich möchte nicht sagen dass mir die persönliche Identifikation egal ist, denn das wäre den Personen gegenüber respektlos und verletzend, es ist für mich eben einfach kein Kriterium um mich zu verlieben.

Ich kenne aber auch Menschen, die Bisexualität für sich so definieren. Deshalb möchte ich noch mal explizit darauf hinweisen, dass meine Definition nicht allgemeingültig ist. Wenn ihr nun also Freunde oder Verwandte habt die sich so identifizieren und das auch so äußern, rate ich euch zu fragen wie die betreffende Person dies für sich definiert und nicht zu spekulieren.

 

Und wieso das Ganze?

Das war jetzt sehr viel Text, ich weiß. Mir hat es damals als Teenagerin sehr geholfen, als die junge Frau mir von ihrem Outing erzählte. Ich wusste vorher von den ganzen Themen nichts, denn leider wird auch alles was mit Sexualität, sexueller Identität, Geschlecht etc zu tun hat in der Schule und in der Gesellschaft kaum behandelt und das finde ich nicht nur sehr traurig, sondern auch sehr gefährlich. Ich höre wirklich oft von Menschen, dass es ihnen gut getan hätte wenn sie viel früher von Dingen wie zB Transidentität erfahren hätten. Dies hätte ihnen Leid erspart, sie hätten vielleicht viel früher gemerkt wer sie wirklich sind. Nein, ich möchte meine Sexualität sicher nicht mit dem langen und steinigen Weg einer trans Person auf eine Stufe stellen, überhaupt nicht! Ich denke nur dass es vor allem sehr jungen Menschen helfen kann wenn sie erfahren dass sie nicht seltsam sind wenn sie weder cis noch heterosexuell sind. Auch in der LGBTQIA+ Community wird eins noch oft ausgegrenzt, wenn eins nicht geradlinig ein Geschlecht bevorzugt oder sich nicht mit einem binären Geschlecht identifiziert. Diese Themen müssten also viel öfter angesprochen und auch sichtbar gemacht werden. Und wenn mein kleiner bescheidener Text dazu beitragen kann, freut mich das sehr.

 

An dieser Stelle möchte ich mich noch bei Zesyra vom Blog Nooborn fürs vorab lesen, korrigieren, immer wieder Denkanschübe geben und einfach fürs da sein bedanken.

Von Fremd- und Selbstwahrnehmung

Auf Twitter trendet seit kurzem der Hashtag #2012vs2018. Was es damit auf sich hat ist sehr schnell erklärt: Durch das teilen von zwei oder mehr Bildern, zeigt eins wie eins sich im Vergleich zu früher verändert hat. Es gab so viele wahnsinnig starke Veränderungen, dass mir so manches mal die Kinnlade runter klappte. Eins sah Personen die stark abnahmen,  in der Zwischenzeit ihren eigenen Stil fanden, ein Outing,  eine Geschlechtsanpassende Operation hatten, auswanderten, Kinder bekamen, große Verluste hinnehmen mussten, sich verliebten, sich trennten oder einfach nur älter wurden. Dies alles sah man in den Gesichtern der Leute. Manchmal stärker, manchmal war es nur ein Hauch der einfach anders wirkte. Nach langer Überlegung und dem durchforsten meiner alten Bilder, postete auch ich zwei Bilder. Es waren diese:

Das linke Bild entstand im April 2013. Ich stand damals kurz vor dem Abschluss meiner Ausbildung, ich war single, kinderlos, hatte mein Idealgewicht, fühlte mich schön und einigermaßen sexy, ging gerne und viel feiern, lebte in einer WG die ich furchtbar fand, hatte falsche Freunde die eigentlich nur dazu da waren Party zu machen. Alles in allem war es wohl ein ziemlich typisches Leben einer jungen Frau Anfang 20. Ich hatte große Träume, wollte damals nach der Ausbildung unbedingt nach Berlin ziehen. Tatsächlich gab es damals sogar ein paar Möglichkeiten die ich hätte wahrnehmen können.

Es wirkte wohl alles relativ normal. Doch innerlich ging es mir nicht gut. Ich war einfach fertig. Mein Ausbildungsbetrieb hatte sich innerhalb von zwei Jahren sehr stark verändert. Mir machte die Arbeit so in keinster Weise mehr Spaß und ich wurde ständig krank. Meine Mitbewohnerin war ein für mich unerträglicher Mensch. Sie nahm keinerlei Rücksicht auf mich, hatte aber hohe Ansprüche und Anforderungen an mich. Sie verbrauchte meine Sachen, vergraulte meine Besucher*innen, war sehr oft viel zu laut und aufdringlich, kannte keine andere Art und Weise zu leben als der eigenen und trieb fast den ganzen Tag nur Sport. Wenn ich nach 15 Stunden Dienst nur noch schlafen wollte, durfte ich mir von ihr Vorträge über meine Faulheit anhören. Kurz um: es gab genug Gründe warum mich meine Freund*innen nicht mehr „zu Hause“ besuchen wollten. Zudem ging es meiner Mama zu dieser Zeit auch immer schlechter. Alles in allem war mein Leben damals eigentlich ziemlich trist. Ich war unzufrieden und einsam, verrannte mich in Affären und unbedeutenden Bekanntschaften, die nur dazu dienten feiern zu gehen und die Zeit zu vertreiben.

Wenn ich mich heute zurückerinnere, war ich damals eigentlich nur unglücklich. Wenige Leute von damals sind geblieben, zum Beispiel meine zwei liebsten Freunde G&N die bis heute meine besten Freunde sind. Sie waren immer da, als ich schwanger wurde, umzog, heiratete, mich trennte, Mama zu mir holte, Mama starb und wir wieder umzogen. Bis heute sind sie die treuesten Freunde die ich jemals hatte und ich kann es kaum erwarten sie am Mittwoch wieder in die Arme zu schließen.

Worauf ich aber eigentlich hinaus wollte: ich war mir ganz sicher dass ich einige Komplimente für das Foto von damals bekommen würde. Ich hatte noch sehr lange Haare, fast markelose Haut, war viel dünner, ein keckes lächeln im Gesicht und sah, für mein Empfinden, jung und schön aus. Doch die Antworten waren wie ein Schlag ins Gesicht:

 „Ich finde du sahst vor sechs Jahren total fertig und (sorry) verbraucht aus. Heute: Eine gutaussehende, junge Frau. Übrigens deutlich schöner als damals, weil irgendwie naja…geerdet?“

Auf dem ersten Bild siehst du mal abgesehen von makeup einfach viel älter teilweise einfach verbrauchte und fertig aus. :/ schön das es dir jetzt besser geht“

„Ich finde genau das Gegenteil ist der Fall. Selbst wenn man makeup mal außen vor lässt hätte ich das erste Bild gut und gerne auf 35 bis 40 geschätzt. Das 2. Eher zwischen 25 und 30“

„Muss ich aber zustimmen 🙂 du siehst heute jünger aus :)“

„Ich finde das zweite Bild trotzdem viel schöner. Dein Lächeln… <3“

Diese Sätze haben mich schon sehr umgehauen. Wie bitte? Ich sah damals verbraucht aus? Älter? Fertig? Damit hätte ich echt nie gerechnet! Ich war geschockt, ja sogar gekränkt. Ich hatte auch keine Ahnung was ich dazu sagen sollte. Ich fragte sogar ob das ein Scherz sein sollte, war es aber nicht. Ich hätte niemals gedacht dass man mir mein inneres Leid so stark ansah. Ich konnte in der letzten Nacht deshalb kaum schlafen und musste ständig darüber nachdenken. Für das andere Foto dass recht aktuell ist, bekam ich nämlich durchweg nur Komplimente. Ich wirkte glücklicher, mein Lächeln sähe schön aus, ich wirke jetzt jünger, irgendwie geerdet. Und ganz ehrlich? Das trifft es ziemlich gut. In den letzten Monat ist ein riesiger Batzen Ballast von mir gefallen. Ich habe Menschen hinter mir gelassen die mir eigentlich seit Jahren nur weh taten, bin aus einer Stadt gezogen die mich unglücklich machten, habe wundervolle neue Menschen in meinem Leben, wohne in einer schönen kleinen Wohnung, bin innerhalb einer Stunde in Berlin, kann Museen, Tiergärten, Ausstellungen besuchen und mit meinem Kind etwas erleben und wir besuchen jeden Tag die Spielegruppe die mir, bis auf ein paar Kleinigkeiten, wirklich gut gefällt. Und auch dort habe ich tolle Leute kennengelernt.

Im Großen und Ganzen geht es mir jetzt besser als damals. Ich beschäftige mich jetzt mit Dingen die mir wirklich wichtig sind, lasse mir nicht mehr von anderen Menschen sagen was ich mag, wie ich zu sein habe, was mir steht,etc. Ich weiß was ich möchte und wie ich mir mein Leben vorstelle. Ich renne anderen nicht mehr hinterher, beschäftige mich wieder kreativ, bin viel mit meinem Krümelmonster unterwegs und versuche vor allem nicht mehr anderen zu gefallen, nur weil ich nicht alleine sein will. Und auch wenn ich weiß dass noch eine ganze Menge Arbeit vor mir liegt, fühle ich mich jetzt viel viel besser als damals. Und ich freue mich dass man dies auch sieht. Auch wenn ich nun, da ich seit Dezember nicht mehr Färbe, langsam aber deutlich weiße Haare entdecke, ich Falten an Mund und Augen bekommen habe und eben 30 kg mehr wiege als damals, jetzt bin ich zufrieden. Ich bin nicht mehr das junge Mädchen das sich selbst in der großen kalten Welt sucht, ich bin fast 30, Alleinsterziehend aber endlich nicht mehr einsam.

Eure GunzlingerMum

lup

PS: An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an meine tollen Follower*innen die mir gestern so ungeschönt ihre Meinung sagten und mich damit antrieben, mich selbst zu reflektieren. Ich würde sonst wahrscheinlich noch länger meinem früherem Äußeren nachtrauern weil ich mir einbildete damals so toll ausgesehen zu haben. ❤

3 Monate

Nach vielen Monaten der Pause, hab ich endlich wieder Lust zu bloggen. Nach der langen Zeit im Koma und dem darauffolgendem Tod meiner Mama im letzten August, brauchte ich einfach Zeit mich zu sammeln, um viele Dinge zu regeln, um umzuziehen und mir zu überlegen, wie ich mein weiteres Leben gestalten will. Einige Monate lang war mein Blog auch ganz deaktiviert und ich habe sogar überlegt ihn gänzlich zu löschen. Doch es gab einige Leute die mich darum baten dies nicht zu tun, fragten ob und wann ich wieder schreibe. Meine Leserschaft ist wahrlich nicht groß, aber treu. Und dafür danke ich euch sehr.

Also, was ist alles passiert?

Ende Oktober bekam ich 5 Tage vor dem Umzug die Zusage für meine neue Wohnung. 3 Zimmer in einer Kleinstadt nahe Berlin. Es gibt hier noch viel zu tun, da wir viele Möbel zurücklassen mussten und auch wollten. Unsere Wohnung hat zwar leider keinen Balkon, dafür ist sie schön hell und hat ein Tageslichtbad mit Badewanne. Bis zur Stadtmitte ist es nicht weit, wir haben auch einen großen See quasi direkt vor der Haustür. Zur Bahn haben wir es nicht weit. Es ist schön ruhig hier und wir haben nur einen direkten Nachbarn mit dem wir uns gut verstehen. Ein älterer Herr dem wir ab und an mal Selbstgebackenes vorbeibringen und mit dem wir ab und an ein wenig plauschen.

Auch den langersehnten Anschluss, den wir früher nicht fanden, haben wir nun gefunden. Seit Mitte Dezember gehen wir hier in eine Spielgruppe. In dieser Gruppe sind vor allem Alleinerziehende und syrische Mütter. So lernten wir schon einige nette Leute kennen. Dort werden auch gemeinsame Aktionen wie z.B. ein Nähkurs oder eine Sportstunde angeboten. Dergleichen nehmen wir natürlich sehr gerne an. Durch meinen Freund lernten wir auch schon ein paar wirklich tolle Leute kennen mit denen wir uns nun regelmäßig treffen.

Was mir früher sehr fehlte, waren zum Beispiel kulturelle Angebote. Der nächste Zoo war fast zwei Stunden mit dem Zug entfernt, Museen gab es auch so gut wie keine und auch sonst gab es nicht wirklich etwas zu erleben. Hier, nahe der Großstadt, ist es ganz anders. Wir waren schon im Zoo, im Naturkundemuseum, sind mit dem Schiff gefahren, haben uns die Innenstadt angesehen…. Das Krümelmonster liebt es nach Berlin zu fahren. Sie reißt die Augen auf und staunt nur so vor sich hin. Alles möchte sie entdecken und es ist schön ihr dabei zuzusehen wie sie so viel neues erlebt.

Auch persönlich hat sich für mich einiges geändert. In den letzten Jahren war ich sehr bemüht meine Fassade aufrechtzuerhalten, das Bild, das andere von mir hatten, nicht zu zerstören. Ich hab an vielen Dingen festgehalten weil sie irgendwann einmal einen Wert für mich hatten. Kleidung, Bücher, Souvenirs, die Art wie ich mich zurecht machte…. und Menschen. Ich traute mich nicht mich von diesen Dingen zu trennen, etwas neues auszuprobieren. Ich redete mir ein, dass ich dies alles brauchen würde, aber ich brauche es nicht. Ich habe viel aus meinem Leben verbannt, entsorgt und mal richtig entrümpelt. Dies hier ist nicht nur mein Neustart und es ist ein wahnsinnig befreiendes Gefühl das alles hinter uns zu lassen.

Ich habe zum Beispiel meinen Kleiderschrank entrümpelt. Früher hatte ich fast nur schwarze Kleidung, was mir auch nach wie vor noch sehr gut gefällt. Doch nun sind auch frische Farben eingezogen, Blau, türkis, rosa, rot. Dazu verschiedene Muster. Außerdem habe ich meine Haare stark gekürzt und lasse nun die schwarze Farbe herauswachsen. Seit gestern trage ich auch endlich wieder eine Brille, da meine Kurzsichtigkeit mit den Jahren einfach immer schlimmer wurde.

In den nächsten Monaten hoffe ich einen Kindergartenplatz für das Krümelmonster zu bekommen. Aktuell suche ich nach Jobangeboten um Bewerbungen zu schreiben. Zudem wird die Wohnung nach und nach schöner gestaltet. Es gibt noch viel zu tun und viel zu erleben, doch dies hier ist der richtige Weg und ich fühle mich im Moment sehr wohl.

Auf ein schönes Jahr 2018 und darauf, dass wir den Kurs halten.

Alles Liebe, eure Gunzlinger Mum

Echt jetzt! So ist das Leben mit Kindern wirklich! Die 20 Punkte #Blogparade #thereallebenmitkindern

Die wunderbare Frida von 2KindChaos  hatte mal wieder eine klasse Idee: Sie möchte aufzeigen wie das Leben mit Kinder wirklich ist. Auf Instagram, Twitter, Blogs etc. wirkt ja immer alles so wundervoll rosarot und easy, das kann doch gar nicht stimmen! Und da sie damit vollkommen Recht hat, kommen hier meine 20 Punkte zum Thema „Echt jetzt! So ist das Leben mit Kindern wirklich“.

  1. Spaghettiiiiiiii! Mama, ich will Spaghettiiiiiiiii! Am liebsten jeden Tag. Seit einiger Zeit will das Krümelmonster nur noch also wirklich ausschließlich Spaghetti essen. Es darf auch keine andere Nudelsorte sein, die kann man ja nicht so schön hochziehen. Also versuche ich mich jetzt ständig an neuen Soßenrezepten. Falls jemand Ideen hat….
  2. Nein Mama, das ist mein Schatz! Seit einigen Wochen bin ich wieder in einer festen Beziehung. Es kam ganz schnell und unerwartet und da das Krümelmonster meinen Liebsten zeitgleich mit mir kennenlernte, hat sie sich auch ganz schnell an ihn gewöhnt. Die beiden verstehen sich auch super. So super, dass das Krümelmonster regelmäßig schwer eifersüchtig wird wenn wir uns mal küssen, im Arm halten, Händchenhalten…Aber nicht etwa auf ihn, weil er mit ihrer Mama kuschelt. Nein! Sie ist eifersüchtig auf mich weil er ja ihr bester Freund, ihr Schatz ist. Hach…
  3. Ich will doch nur Bailey füttern! Mein Kind ist sehr fürsorglich. Manchmal etwas zu fürsorglich. Wenn ich nicht aufpasse verfüttert sie Bailey, unserer Katze, die gesamte Wurst, den ganzen Milchvorat und alles Katzenfutterdosen und zwar noch vor dem Frühstück.
  4. Ich will dir jetzt aber helfen! Aber ich bin doch schon fertig! Nein, bist du nicht! Sie ist auch sehr hilfsbereit. Vollkommen egal ob ich mit der Arbeit schon fertig bin oder nicht. Na gut, dann räumen wir den Umzugskarton eben noch mal aus und wieder ein.
  5. Erdbeermilch! Ich brauch meine Erdbeermilch! Seit das Kind klar formulieren kann was sie gerne isst und trinkt, ist unser Milchkonsum rapide angestiegen. sie würde wahrscheinlich nur Milch trinken, wenn ich sie nicht bremsen würde. Aber Erdbeermilch ist auch wirklich sehr lecker….
  6. Warst du an meinen Sachen? Nein Mama, ich doch nicht! Komisch, wieso steht dann in deiner Spielküche meine Teetasse und wieso trägt dein Bebii meine Kopfhörer? Und wo ist überhaupt mein Lippenstift? Und Hast du den Kellerschlüssel gesehen? Sie verschleppt alles, probiert all meine Sachen aus und ich kann ihr hundertmal sagen dass sie mich vorher fragen soll, es interessiert sie nur sehr bedingt.
  7. Ich will einen Elsazopf! Mein Kind liebt meine sehr langen Haar. Und Elsa. Sie mag es aber absolut nicht wenn man ihr die Haare zu einem Zopf zusammenbindet oder sie gar flechtet. Es sei denn natürlich ich trage meine Haare so. Dann muss man ihre natürlich sofort umfrisieren und wehe das passiert nicht ganz schnell oder man hat gerade keinen Haargummi zur Hand. Ein Teufelskreis.
  8. Kleid! Kleid! Kleid! Das Krümelmonster hat einen ganz exquisiten Modegeschmack: Sie will Kleider tragen, immer. Nichts anderes. (Ok, Glitzerschuhe dürfen es auch noch sein). Leggins, Strumpfhosen, Jeans, Pullover, T-Shirts… alles ist uncool. ich brauch dringend mehr Kleider
  9. Nein! Doch! Ohh! „Wenn du mit der Becher voller Milch durch die Wohnung rennst verschüttest du alles.“ „Nein Mama, mach ich nicht!“ *platsch* „Ohh!“ Egal was ich sage, es muss erst einmal darüber diskutiert werden. Immer. Über alles. Immer!
  10. Zuerst mal Zähne putzen… Das Krümelmonster putzt übrigens gerne mal die Zähne. 20.000 mal am Tag. Nebenbei verschönert sie auch ganz nebenbei das Badezimmer mit der Zahnpasta. Ihr wollte nicht wissen wie hoch unser Zahnpastaverbrauch ist. Wirklich nicht.
  11.  Nein, du nicht! Der Willen meines Kindes ist stark. Sehr stark. Wenn sie etwas nicht möchte macht sie das auch sehr deutlich klar. Sei es dass sie alleine ein Lied singen möchte, oder dass sie ihre Sachen alleine auf die Leine hängen möchte. Kommt ein „Nein, du nicht!“ sollte man sich nicht mit ihr anlegen. Derzeit kann das nämlich zu einem wutentbranntem wegrennen mit kolossalem Geheule, Geschreie und theatralischem aufs-Bett-Gewerfe führen. Ja, wie bei einem Teenager. Ich freue mich jetzt schon.
  12. Mama, schau mal! Was ist denn das? Eine der schönsten Dinge am Mamasein ist definitiv, dass man die kleinen aber wunderschönen Dinge des Alltags wieder neu entdeckt. Sei es ein Eichhörnchen das durch den Herbstwald rennt oder ein Kinderfilm den man lange nicht mehr ansah. Wenn das Kind sowas das erste mal sieht und mit staunenden und leuchtenden Augen betrachtet, lernt man diese vermeintlichen Kleinigkeiten wieder neu zu sehen und zu schätzen.
  13. Liebe, Liebe, Liebe! Ob feucht, mit Schokolade verschmiert, zart auf die Wange gehaucht, mit Tränen auf den Wangen oder freudestrahlend: Küsschen gibt es in allen Variationen und zu den unmöglichsten Anlässen. Jeden Tag gibt es sie in rauen Mengen. Manchmal nur weil man Mist gebaut hat und Mama versöhnlich stimmen möchte, manchmal weil man zusammen an Oma denkt und manchmal einfach so mitten im Spiel, weil Mama eben einfach die beste ist und über Stunden hinweg mit dem Duplo mitspielt. Oder egal aus welchem Grund, Küsschen, Umarmungen, kuscheln, übers Gesicht streicheln, also jede Art zu zeigen wie sehr man von seinem Kind geliebt wird, ist wunderschön. Da wische ich mir danach gerne die Schokolade aus dem Gesicht.
  14. Nur mal eben einkaufen… funktioniert einfach nicht mehr. Alleine auf dem Weg zum Supermarkt gibt es unzählige Dinge zu entdecken. Menschen, Tiere, Pflanzen, Autos, Läden, Matschepfützen (Peppa liebt Matschefützen!) etc., alles ist spannend und aufregend und muss genau ausgekundschaftet werden. Daher planen wir für alle Wege und Vorhaben von vornherein mehr Zeit ein. Ich möchte mein Kind die Welt entdecken lassen und sie nicht nur weiterhetzen, auch wenn das leider nicht immer klappt.
  15. Viel zu ruhig… ist es, wenn das Krümelmonster dann doch mal ein Wochenende beim Papa verbringt. Das laute Geschrei, das quietschige Piepsen, das laute Klappern von Spielzeug, der Soundtrack von Frozen oder Der Glöckner von Notre Dame, all das fehlt mir spätestens nach wenigen Stunden. So sehr mich der Lautstärkepegel meines Kindes und ihre Wildheit manchmal auch nervt, sobald das nicht mehr da ist vermisse ich es und würde es am liebsten sofort wieder um mich haben.
  16. Schlafen auf engstem Raum Seit der Trennung vom Kindsvater schläft das Krümelmonster in meinem Bett. Von jetzt auf gleich brauchte sie die nächtliche Nähe und es gibt auch nur wenige Tage an denen sie alleine schlafen möchte. Für mich ist das vollkommen ok so und ich genieße es wenn sie sich nachts an mich kuschelt. Manchmal kann das aber auch sehr anstrengend werden. L schläft nämlich nicht nur, sie tobt nachts im Schlaf wild durchs Bett. Da kann es schon mal passieren dass sie quer im Bett liegt, ich mehrere Tritte in den Rücken bekomme, mit einem Fuß im Gesicht schlafe oder mir der weiße Hintern einen Plüschhasen ins Gesicht ragt.
  17. Der riesengroße kleine Hunger Was auch sehr oft bei uns passiert: Das Kind jammert vor Hunger, man bemüht sich schnell zu kochen damit das geliebte Kind nicht vom Fleisch fällt, deckt liebevoll den Tisch während man das Krümelmonster, das gerade vor Hunger weint, tröstet, sitzt endlich am Tisch, beginnt zu essen und nach zwei Bissen „Mama, ich hab keinen Hunger mehr. Darf ich spielen?“. Bitte was? Du hast gerade das halbe Haus zusammen geschrien weil du von jetzt auf gleich so großen Hunger hattest und jetzt das? Ernsthaft? Naja, bleibt mehr für mich…
  18. Aua. Mein Kind ist seit etwa einem halben Jahr Tag wie nachts trocken. Sie geht selbstständig ins Bad und meldet sich auch bei langen Auto- oder Zugfahrten, auf dem Spielplatz, beim einkaufen etc wenn sie mal muss. Auch nachts steht sie auf und geht alleine ins Bad. Wenn ich dann jedoch auch von der Natur geweckt werde, kann es schon mal schmerzhaft werden. Das Kind hat nämlich eine Sitzverkleinerung für die Toilette die sie regelmäßig vergisst wegzuräumen. Wenn ich dann nachts im Halbdunkel durch die Wohnung stolper um nicht ganz wach zu werden, passiert es schon mal dass ich mich mit vollem Karacho auf die Toilette plumsen lasse und vor Schmerz aufschreie, weil man plötzlich die hochstehenden Teile der Sitzverkleinerung in sehr empfindliche Körperstellen gerammt bekommt. Aua.

Na gut, 20 Punkte bekam ich nicht zusammen aber so geht es eben bei uns zu. Nicht perfekt, dafür mit viel Herz und Spaß. Und wie sieht euer Leben mit Kindern so aus? Schaut doch mal bei Frida vorbei und findet heraus wie ihr wahres Leben mit den Kinder aussieht. Oder stellt selbst eine Liste zusammen und verlinkt sie bei 2KindChaos  und unter dem #thereallebenmitkindern.

Eure Gunzlinger Mum

 

Vier Wochen.

Wer mir auf Twitter folgt, hat in den letzten Wochen mitbekommen, welches Drama hier geschah. Morgen ist es genau vier Wochen her, dass meine Mutter ins Krankenhaus gebracht wurde. Zwei Tage vorher spielte sie noch mit meiner Tochter, sie lachten und scherzten und ab und an, wenn das Krümelmonster zu wild kuschelte, verzog meine Mama ihr Gesicht. Ich fragte sie daraufhin was denn los sei. Ein Abszess, wie sie ihn schon sooft hatte. Alle waren gut verheilt, doch diesmal lief es leider nicht so gut. Am nächsten Abend berichtete sie nur dass es ihr nicht gut ginge und Schmerzen hatte, also wollte ich mit ihr am Freitag morgen zum Arzt fahren. Nachts überschlugen sich jedoch die Dinge, ihr Zustand verschlechterte sich drastisch und sie wirkte wie weggetreten. Da meine Tochter vom letzten Krankenwageneinsatz noch traumatisiert war, beschloss ich zu warten bis sie bei der Tagesmutter war. Morgens um halb neun rief ich dann den Krankenwagen und irgendwann gegen 11 Uhr wurde sie endlich weggebracht und alle Hilfskräfte, denn mittlerweile waren Feuerwehr, viele Sanitäter, zwei Notärzte und Polizei vor Ort, abgerückt. Sie wurde mit einer Sepsis ins Krankenhaus eingeliefert.

Seit diesem Tag liegt meine Mutter im Koma. Sie musste mehrere Operationen überstehen und ihr Zustand ist alles andere als gut. Am Dienstag fand ein Gespräch mit den Ärzten statt indem sie sehr ehrlich und offen waren und nichts beschönigten. Innerhalb der Familie müssen nun Entscheidungen getroffen werden weswegen ich viel mit meinen nächsten Verwandten telefoniere. Das beste, das passieren könnte, wäre wenn sie ein sehr schwerer Pflegefall wird und wir für sie ein schönes Pflegeheim suchen dürften. Die Ärzte tun alles um das zu erreichen, aber sie können nun mal auch nicht zaubern. Sie können ihr keinen Trank geben der ihre Wundheilungsstörung aufhebt, der sie wieder weckt, der ihr die ganzen Krankheiten nimmt. Wir müssen uns also im Klaren darüber sein was passieren kann. Überlegen, was dann passieren soll. Denn die Situation ist mehr als nur ernst und die Wahrscheinlichkeit, dass sie das alles überlebt, ist eben extrem gering und dessen müssen wir uns bewusst sein.

Und während ich Mamas Sachen sortiere, denn ohne sie müssen wir aus der Wohnung raus, bespaße ich meine kleine Tochter die sich eigentlich nur wünscht dass ihre Oma an ihrem Geburtstag dabei ist. Ich hab ein Buch gekauft. In diesem Buch zieht die Oma mit ihrem Vogel zu ihrer Familie. Erst stirbt der Vogel und nach und nach geht es der Oma immer schlechter. Bis zu diesem Punkt lesen wir das Buch, das Ende lasse ich offen. Sie fragt jeden Tag nach Oma, wieso sie nicht zu ihr darf. Ich erkläre ihr dann das Oma sehr schwer krank ist und sie deshalb schläft. Ich sage ihr, dass Oma nicht gut aussieht eben weil sie so krank ist und ich nicht möchte das sich L erschreckt. Aber auch das Oma sie sehr liebt und bestimmt gerne an ihrem Geburtstag da wäre und dass sie, wenn sie Oma wieder dolle vermisst, sich daran erinnern soll wie wir Krabbelkäfer an die Wand malten, eine Kette bastelten, Kuchen buken und was wir alles zusammen kochten. Dann lächelt sie und wir erinnern uns gemeinsam an Geschichten.

ich weiß nicht wie ich ihr das alles richtig erklären soll, deshalb kaufte ich das Buch. Ich muss das alles selbst verarbeiten, die Wohnung in Kisten verpacken, eine neue Wohnung suchen, meinem Kind helfen damit umzugehen und ganz nebenbei ihren Geburtstag vorbereiten, denn sie wird am Samstag drei Jahre. ich bin noch nicht mal ansatzweise fertig, auch weil das letzte Wochenende bei Papa von seiner Seite aus aus beruflichen Gründen gestrichen wurde. Also bleibe ich nachts lange wach, bereite alles vor und manchmal gehe ich dann noch Unterlagen meiner Mama durch, alte Briefe, Fotos…

Die Situation ist gerade alles andere als leicht und ich hab keine Ahnung wie ich das alles unter einen Hut bekommen soll, damit umgehen soll, aber ich gebe mein Bestes. Ich bin gerade überempfindlich, werde schnell sauer und fühle mich ständig angegriffen. Das weiß ich und es tut mir leid. Meistens merk ich das im Nachhinein, manchmal aber auch nicht. Bitte seid nachsichtig mit mir, ich meine es nicht böse.

Und nun muss ich meiner Tochter wieder mal erklären, wieso sie ihre Geschenke erst am Samstag auspacken darf.

The Gunzlinger Mum